Batterien aufladen

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Die Sommerferien stehen vor der Tür, was immer auch eine Verheissung für Entspannung und Erholung bedeutet. Gerade wenn man im kirchlichen Kontext unterwegs ist, wo der Jahreswechsel viele Anlässe mit sich bringt, kommt mit dem Sommer die ersehnte Ruhe. Vor allem aber für die Kinder bedeutet der Sommer mit fünf Wochen Schulferien viel Freiheit und Spass. Und für die Erwachsenen haben die Erinnerungen an die langen Tage im Freibad immer noch etwas Magisches. Ist es die Hitze, oder einfach der Umstand, dass auch die Welt in ein mediales Sommerloch fällt, sodass diese Zeit ideal ist, um herunterzufahren?

Batterien aufladen ist angesagt. Und die Tatsache, dass auch Gott einen Ruhetag nach der Schöpfung eingeschoben hat, zeigt uns, wie fundamental das Innehalten für uns Menschen ist. Doch mit dem Energietanken ist es so eine Sache: Anders als beim Mobiltelefon oder beim Elektroauto, wo das Motto lautet: «Weniger benötigen, gleich mehr aufladen», ist das Laden der seelischen Batterien nicht immer mit weniger Aktivität verbunden.

Unsere geistigen Batterien laden sich nicht unbedingt mit Nichtstun auf. Das fiel mir vorwiegend in den jungen Jahren auf: Wenn ich in den Ferien komplizierte Kletterrouten machte oder eine mehrtägige Regatta auf einem viel zu engen Boot absolvieren konnte, waren meine Batterien danach aufgeladen. Ja, nachts um 4:00 Uhr bei Wind und Regen irgendwo vor Korsika die Segel zu wechseln, bedeutete für mich, dass ich am darauffolgenden Montag wieder mit frischem Geist an die Arbeit gehen konnte.

Mit zunehmendem Alter ist es ratsam, die Abenteuer in den Ferien so zu wählen, dass man danach nicht zwei Wochen benötigt, um sich davon zu erholen. Mit der Zeit wird man reifer und weiser. Ich muss mich der Natur nicht mehr in dem Masse aussetzen, dass ich nichts anderes denken kann, um meine geistigen Batterien aufzuladen.

Ein weiterer Faktor bei der seelischen Energie ist die soziale Energie. Ohne dass ich mich in esoterischen Begriffen und Spekulationen verlieren möchte, glaube ich, dass wir alle ein Gefühl dafür haben, was mit ​sozialer Energie gemeint ist. Es ist die Energie, die zwischen Menschen entsteht oder eben auch zwischen Menschen vernichtet wird. Und so sind für die einen Familienferien eine willkommene Freude und für andere einfach nur anstrengend.

Doch, was macht es aus, dass wir beim Austausch mit anderen Menschen Energie gewinnen oder Energie verlieren? Ich glaube, das Geheimnis liegt in der Resonanz. Damit meine ich, dass das, was wir aussenden, im Gegenüber resoniert und zurückkommt. Unser Gegenüber wirkt wie ein Verstärker, und wir wirken ebenfalls als Verstärker. Nicht umsonst heisst es: «Geteilte Freude ist doppelte Freude, und geteiltes Leid ist halbes Leid.» Unsere seelischen Batterien laden sich also nicht unbedingt mit Nichtstun auf, sondern indem wir uns den Menschen zuwenden, die uns guttun. Dazu gehört, dass wir diese Menschen wahrnehmen und sehen, was wiederum bedingt, dass wir wahrgenommen und gesehen werden.

Pfarrer Stephan Krauer

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