Freiheit
Freiheit gehört wie die Wahrheit zu den anspruchsvollsten Begriffen in der Philosophie. Ein Begriff gewinnt seine Bedeutung so stark erst durch seine Gegensätze. Schwierig wird es, wenn wir Freiheit als Abwesenheit von Barrieren und Grenzen verstehen.
Die Schweizer haben ein besonderes Verhältnis zur Freiheit, nicht zuletzt dank des Nationalhelden Wilhelm Tell. Und wie blicken wir als reformierte Christen auf die Freiheit?
Sie ist eigentlich unser wichtigstes Gut. Nicht nur weil die Reformation ein Befreiungsakt war, sondern weil die Freiheit ein wichtiger Teil der Botschaft des Neuen Testaments ist.
In der Zeit von Jesus existierten bereits Konzepte von Freiheit, besonders im Stoizismus. In einer von Krankheit, Kriegen und Unsicherheit geprägten Welt blieb äussere Freiheit fragil; selbst freie Menschen konnten in Abhängigkeit geraten.
Der Stoizismus verstand Freiheit daher primär innerlich: als Ausrichtung auf das, was in der eigenen Verfügung steht – die innere Haltung – und als Unabhängigkeit von äusseren Umständen.
Gegenüber dieser geistigen Selbstbefreiung hatte nun das frühe Christentum mit Paulus eine Gegenposition. Macht deutlich, dass die wahre Freiheit darin besteht, dass man sich in die Abhängigkeit Gottes begibt. Die Idee dahinter ist: Weil Gott der Schöpfer des Universums ist, ist er die einzige Instanz, welche den Menschen nicht ausbeutet.
Diese gottgegebene Freiheit äussert sich aber nicht darin, dass man alles tun und lassen kann, was man will. Vielmehr äussert sie sich im Verzicht. Wahre Freiheit zeigt sich darin, dass man aus Liebe zum anderen auf das eigene Recht verzichten kann.
Etwas handfester ist die Freiheit bei Jesus. Jesus befreit die Verstossenen, die Zöllner und die Sünder, indem er sie zurück in die Mitte der Gesellschaft holt. Auf jeden Fall soll uns die Botschaft von Jesus befreien, sei es von gesellschaftlichen Zwängen oder auch von der Bürde, uns selbst zu retten.
Pfarrer Stephan Krauer