Sabbat

Ursprünglich bezeichnet das hebräische Wort «Schabbat» (aufhören, innehalten) den wöchentlichen Ruhetag im Judentum – einen Tag, an dem die Arbeit ruht und der Mensch sich darauf besinnt, dass sein Wert nicht allein aus Leistung entsteht. Abgeleitet vom
7. Schöpfungstag, an dem – je nach Übersetzung – Gott geruht oder die Ruhe erschaffen hat. Und diese Ruhe soll auch dem Menschen zuteilwerden. In unserer Gegenwart taucht das Wort oft in anderer Form auf: als «Sabbatical». Menschen nehmen sich Monate frei, reisen um die Welt, schreiben Bücher, lernen Sprachen oder versu-chen schlicht herauszufinden, wer sie ausserhalb von Terminkalendern und E-Mails sind. Die moderne Variante des Sabbats ist damit weniger religiös als kulturell geprägt. Doch der Kern bleibt erstaunlich ähnlich: Es geht um die Kunst, für eine Weile nicht zu funktionieren, sondern zu leben. Der Sabbat, ob religiös verstanden oder als Auszeit, stellt letztlich dieselbe Frage: Was bleibt von uns übrig, wenn wir für einen Moment auf-hören, etwas leisten zu müssen und einfach sein dürfen?

 

Pfarrerin Cindy Gehrig

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