Ewiges Leben

Es gibt Kollegen, die den Ausdruck «ewiges Leben» bewusst vermeiden, weil sie keine Spekulationen darüber machen möchten, was nach dem Tode ist. Auf der anderen Seite bin ich schon Menschen begegnet, die gesagt haben, dass sie alle Gebote der Bibel zu halten versuchen, um nach dem Tod das «ewige Leben» zu erhalten. 

Auch wenn diese beiden Ansichten unterschiedlicher nicht sein könnten, so sind sie doch beide weit davon entfernt, was Jesus damit meinte. Bei Jesus hat der Ausdruck eine viel tiefere und vor allem gegenwärtige Bedeutung. Bei Jesus ist der Ausdruck «ewiges Leben» eine andere Bezeichnung für das «Reich Gottes». (Markus 10,17ff)

Dass wir heute eine weitverbreitete Auffassung haben, dass das Ewige Leben etwas sei, das nach dem Tode kommt, liegt zum einen an Platon und zum anderen am Mittelalter. Die griechische Philosophie von Platon ist von einem starken Leib- Seele-Dualismus bestimmt. Der materielle, vergängliche und minderwertige Leib einerseits und die unsterbliche Seele andererseits. Eine solche Denkweise war Paulus und Jesus aber fremd.

Im Laufe der Kirchengeschichte, verengte sich im Mittelalter der Blick immer stärker auf das Schicksal des einzelnen Individuums. Es entstand die Lehre vom Einzelgericht unmittelbar nach dem Tod. Dadurch wurde das «ewige Leben» endgültig zu einem Symbol für die Belohnung der geretteten Seelen im Jenseits.

Es gehört zu unseren reformierten Wurzeln, dass wir solche Fehlentwicklungen rückgängig machen und wieder in die Bibel schauen. Das «ewige Leben» bedeutet, für Jesus Anteil zu haben an Gottes Gegenwart. Es ist nicht das Ergebnis menschlicher Bemühungen, sondern ein Geschenk Gottes, das sich bereits in der Gegenwart im Vertrauen auf Gott und Jesus entfaltet. Und was ist nun der Schlüssel zum ewigen Leben? Wie könnte es anders sein: die Nächstenliebe. (Markus 12,28ff)

Pfarrer Stephan Krauer

 

 

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